Von Jan Ritter · 4. August 2026
6 Themen, die ihr vor der Gründung mit euren Co-Foundern besprechen solltet
Eine gute Demo zeigt, dass die Technologie funktioniert. Ein eingespieltes Gründerteam beweist, dass daraus ein echtes Unternehmen wird. Die meisten Konflikte unter Gründern haben wenig mit der Technologie zu tun. Sie entstehen oft aus Annahmen zu Vision, Rollen, Geld und Einsatz, die niemand besprochen hat, solange alles noch einfach war.
Das Founders' Assessment ist ein kurzer Fragebogen, der genau diese Gespräche früh anstösst, bevor rechtliche Entscheidungen sie festschreiben. Es ist kein rechtlicher Vertrag, sondern ein Leitfaden für ein offenes Gespräch unter Co-Foundern. Füllt es zuerst jeder für sich allein aus, vergleicht und diskutiert danach im Team.
Das sind die sechs Teile des Founders' Assessment und das, was ihr mit euren Co-Foundern in jedem davon klären solltet.
Wenn ein Co-Founder in drei Jahren verkaufen will und ein anderer zwanzig Jahre aufbauen möchte, existiert der Konflikt bereits. Ihr habt ihn nur noch nicht benannt.
Sprecht darüber, warum jeder von euch dieses Unternehmen persönlich aufbauen will statt einen anderen Weg zu gehen, was eure gemeinsame Vision ist und wann ihr das Unternehmen als Erfolg bezeichnen würdet. Und dann die grosse Frage: Baut ihr das Unternehmen für die nächsten 7+ Jahre auf oder zielt ihr auf einen früheren Exit? Diese Antwort prägt alles, von der Art des Wachstums bis zum Unternehmen, das ihr werden wollt. Haltet sie schriftlich fest und überprüft sie bei jedem grossen Meilenstein.
Bei einer geraden Anzahl an Gründern führt ein unklarer Entscheidungsmodus zur Blockade. Vereinbart, wie ihr eine Pattsituation löst, bevor ihr es wirklich braucht.
Klärt, wer welche Rolle hat (CEO, CTO, Business Development) und wie zentrale Entscheidungen getroffen werden. Üblich sind Einstimmigkeit, einfaches Mehr, ein qualifiziertes Zweidrittelmehr oder ein Stichentscheid respektive Veto des CEO bei definierten Themen. Vereinbart einen Konfliktlösungsprozess für echte Pattsituationen und wie ihr damit umgeht, wenn später jemand dazukommt oder geht – inklusive Konkurrenzverbot, Abwerbeverbot und Rückkauf der Aktien.
Unmut entsteht, wenn der Einsatz ungleich und unausgesprochen ist. Benennt ein Ungleichgewicht früh und vereinbart, ob es in Ordnung ist und wie es sich in Rollen oder Equity abbildet.
Seid ehrlich dazu, wie jeder von euch das eigene Leben aktuell finanziert und wie lange das persönliche Budget ohne Lohn reicht. Legt Nebenjobs, Studium oder andere Verpflichtungen offen und die Stunden, die ihr realistisch pro Woche einbringen könnt. Entscheidet dann, wie ihr erste Kosten wie Reisen, Prototypen und Software deckt, bevor externes Geld kommt. Möglich sind anteilige Beiträge aller Gründer, ein Lead Founder, der vorfinanziert und bei der ersten Finanzierung entschädigt wird, oder ein gemeinsames Monatsbudget mit Kostendach.
Die heiklen Fragen kommen bestimmt. Wenn ihr heute nicht offen darüber sprechen könnt, verschwinden sie nicht. Unausgesprochene Differenzen tauchen meist wieder auf, wenn mehr auf dem Spiel steht.
Fragt euch, ob ihr genug Zeit miteinander verbracht habt, insbesondere im Arbeitskontext und nicht nur privat. Wenn die ehrliche Antwort "noch nicht" ist, vereinbart konkrete Schritte: Arbeitssessions, eine gemeinsame Workation oder Coaching. Stellt sicher, dass ihr offen und konstruktiv kommunizieren könnt, wenn ihr euch bei Strategie oder Prioritäten nicht einig seid, und schreibt eine explizite Feedback-Abmachung auf – wie, wann und wie oft ihr Feedback gebt.
Investoren erwarten, dass ein Team bis zur Gründung über Vesting und Rückkauf nachgedacht hat. Es schützt das Unternehmen, die Investoren und die Gründer, die bleiben. Was ihr hier vereinbart, wird der Inhalt eurer formellen Dokumente.
Entscheidet, wie die Anteile am Anfang aufgeteilt werden und warum, und wie ihr eingebrachte IP oder überdurchschnittliche frühe Beiträge abbildet. Ein verbreiteter Reflex ist eine grosse Prämie für die ursprüngliche Idee oder einen frühen Prototypen – meist richtet das mehr Schaden an, als es nützt. Entscheidet, ob ihr Reverse Vesting wollt, damit Gründer ihre Aktien über die Zeit verdienen; vier Jahre mit einem Jahr Cliff sind Marktstandard. Und vereinbart, was passiert, wenn jemand geht, freiwillig oder nicht, inklusive Good-Leaver- und Bad-Leaver-Regeln und Rückkaufpreis.
Ein Startup braucht irgendwann Leute, die sich voll darauf einlassen. Definiert den Punkt, ab dem sich jeder auf das Unternehmen konzentriert, damit niemand überrascht ist, wenn es schwierig wird.
Legt die Backup-Pläne offen: Wer hat aktuell ein Jobangebot, eine Doktorandenstelle oder eine andere Option in der Tasche? Vereinbart, bis wann sich jeder zwischen dieser Option und dem Startup entscheiden muss, und haltet den erwarteten zeitlichen Einsatz jedes Gründers für die nächsten 6, 12 und 24 Monate fest. Benennt schliesslich, worauf ihr euch tatsächlich verpflichtet: auf ein bestimmtes Problem, eine Technologie, genau dieses Team, einen Mindestzeitraum oder auf alles davon.
Der Wert liegt im Gespräch. Wenn ihr die sechs Teile durchgearbeitet habt, schreibt die vereinbarten Positionen auf, entscheidet, wer was bis wann macht, und setzt einen Termin zur Überprüfung. Diese Positionen bilden die Grundlage für eure Vereinbarung unter Co-Foundern, einschliesslich Aktionärbindungs- und Vesting-Regeln. Ab diesem Moment schützt das Assessment das Team, das ihr aufbaut.
Dieser Blogbeitrag dient ausschliesslich der Diskussion und allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar.
Füllt das Founders' Assessment mit euren Co-Foundern aus und bucht dann einen kostenlosen Intro-Call (30 bis 45 Minuten) mit uns. Wir schauen eure Antworten mit euch an, klären offene Fragen und helfen euch, falls es passt, daraus ein Founders' Agreement zu machen, das eure Gründung trägt.
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